Wenn am hellichten Tag in der U-Bahn plötzlich zaghaft die weltberühmte Melodie von Edvard Griegs „Peer Gynt“ einsetzt, ist man sicher zuerst irritiert angesichts der in einem öffentlichen Verkehrsmittel ungewohnten Klänge. Wenn dann nach und nach ein gesamtes Orchester mit einstimmt und die Musik mehr und mehr anschwillt, weicht die Irritation hoffentlich einer gewissen Verzauberung und zugleich will man wissen, was das Ganze eigentlich soll. Das Interesse ist geweckt.

Wenn man es als Veranstalter schlau anstellt und den Auftritt zusätzlich auch noch filmt und bei Youtube veröffentlicht, könnte man sogar noch viel mehr Menschen erreichen, denn Flashmobs bzw. Kunst im öffentlichen Raum, faszinieren im besten Fall viele Menschen.

Zusammen mit dem Radiosender Radio Klassisk plante die Kopenhagener Philharmonie eine besondere Aktion. Sie ließen den sogenannten „Klassikzug“ durch Kopenhagen fahren. Darin musizierte ein Orchester und spielte eben „Peer Gynt“. Kunst und Alltag der Menschen wurden auf spannende und spielerische Weise miteinander verbunden und das Endergebnis auf Youtube dokumentiert und mittlerweile bereits über 2 Mio. Mal angeschaut:

Die Idee einen Flashmob zu veranstalten ist nicht wirklich neu, die Dimensionen sind es aber: Ein gesamtes Orchester in U-Bahnen durch die Stadt fahren zu lassen ist ein Aufwand, den man so bisher nicht oder nur selten erlebte. Dass man die Aktion per Video dokumentiert, versteht sich heutzutage von selbst, es soll schließlich möglichst die Öffentlichkeit erreicht werden. Youtube ist dafür sicher der am häufigsten genutzte und geeignetste Kanal. Wenn das Ganze, wie in diesem Falle, noch schön gefilmt und mit einer bekannten Melodie verbunden wird, stellt man sicher, dass man maximal viele Menschen anspricht. Den überraschten Zuschauern ist direkt anzusehen, wie sie für ein paar Augenblicke in der U-Bahn zur Ruhe kommen, die Message stimmt also ebenfalls.

Hier wurde eine gute Idee gut umgesetzt und gekonntes Online-Marketing hat der Kultureinrichtung Kopenhagener Philharmonie mit Recht eine Menge Publicity beschert.

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Wieder haben wir die Fühler nach interessanten Kampagnen im Social Web ausgestreckt und sind fündig geworden. Improvisationstheater wird digital erlebbar gemacht. Wie das genau aussieht, sehen Sie in dem Trailer von Theatersport Berlin:

Um noch mehr über diese Kampagne erfahren zu können, haben wir natürlich näher bei Marco Rosenwasser (http://www.marcorosenwasser.it/) nachgefragt:

Kulturkurier Inside: Können Sie mir kurz umreißen, um was es genau bei der Kampagne geht?
Marco Rosenwasser: Theatersport Berlin ist die Älteste Improvisationstheater Gruppe der Hauptstadt. Man wirbt für die Shows der Company. Jeden Montag im Admiralspalast und jeden Sonntag in der Komödie am Kurfürstendamm in Berlin finden die Showss statt.

Wie funktioniert die Kampagne genau?
Man wollte keinen statischen Trailer anbieten: die Interaktion mit dem Publikum ist die Grundlage der Shows von Theatersport. So wie im Theater müssen die Zuschauer Inputs liefern – die Schauspieler machen dann daraus eine Story. Man hat eine Geschichte mit Baumstruktur skizziert und dann jede mögliche Folge davon improvisiert und gedreht. In regelmäßigen Abständen können die Zuschauer entscheiden, wie sich die Story weiter entwickeln soll. Natürlich im Theater kann man alles Mögliche vorschlagen – Bei einem Trailer wie diesem geht das nicht, dies betonen wir am Ende des Videos und laden unsere Zuschauer dazu ein, sich eine Improshow anzuschauen, um vollkommen frei von Vorgaben Inputs für die Show liefern zu können.

Welche Kanäle beziehen Sie noch in die Kampagne mit ein?
Der Schwerpunkt der Kampagne von Theatersport Berlin sieht vor, dass das Ensemble außerhalb des Theaters in Kontakt mit den Zuschauer kommt, so spielen die Theatersportler auch auf der Straßenbahn, beim Karaoke im Mauerpark, oder Improvisieren eine Wahlrede neben den Ständern der offiziellen Berliner Parteien am Kollwitzplatz. Man will dabei dem Publikum klar machen, dass Improtheater auf Spontaneität basiert und dass jeder und überall spontan sein kann. Fans haben diese Auftritte dokumentiert und TSB hat sie als Favorit auf dem Youtubekanal aufgenommen – so sind on- und offlineaktionen perfekt integriert.

Häufig machen wir einen Quiz auf Facebook mit Fragen zu den Videos oder zu den Aktionen – dies hat sich auch bewehrt, die Fans der Seite und die Zuschauer im Saal haben sich vermehrt.
>> Fanpage von Theatersport Berlin

Die Internetseite der Company hat zum Theatersport Cup einen Plug-In von YouTube und einen von Facebook auf der Startseite präsentiert – leider wird sie nun umprogrammiert und youtube ist z.Z. nicht mehr auf der Startseite zu sehen.
>> Webseite

Die Internetseiten der Partnertheater (Admiralspalast, Komödie, Strahl) haben auch einen YouTube plugin eingesetzt.
>> Admiralspalast
>> Komödie am Kurfürstendam
>> Theater Strahl

Was erhoffen Sie sich von der Kampagne?
Wir wollen dass das Publikum den Spaß ans Theater wieder entdeckt, und zu den Shows  kommt. Das funktioniert, das Festival „Theatersport Cup“ war mit wenigen Ausnahmen ausverkauft.

Herzlichen Dank!

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