Mit dem Siegeszug von Smartphones haben QR-Codes Einzug in unseren Alltag gefunden. Mittlerweile sieht man sie an jeder Ecke, mal sinnvoll eingesetzt, mal weniger gut durchdacht benutzt. Richtig angewendet, können QR-Codes durchaus Mehrwert für den Nutzer bieten. Wir berichteten bereits mehrmals darüber, wie QR-Codes im Kulturmarketing von Nutzen sein können, ob man die QR-Codes mit einer App koppelt oder als bequemen Linkersatz nutzt.

Zwei Stundentinnen vom Ludwigsburger Institut für Kulturmanagement, Studienfach „Kulturwissenschaft und Kulturmanagement“, dachten sich nach der Teilnahme am Seminar »Teamlabor«, in dem ein fiktiver Businessplan erstellt wird: Das ist eine Geschäftsidee. Wir haben das Know-How aus dem Studium und das technische Wissen. Warum also nicht Kulturschaffende im Umgang mit QR-Codes beraten? Gesagt getan und flugs wurde ein kleines Start-Up gegründet, LIVEQR.

LIVEQR bietet Interessierten alles rund um QR-Codes; von eigens designten QR-Codes über Möglichkeiten des Marketings mittels QR-Codes bis hin zu eigenen Content Management Systemen zur selbstständigen Erstellung von QR-Codes. Dabei ist man auf Stadtmarketing und Marketing für kulturelle Institutionen spezialisiert.

Wie man sieht, befruchten sich Kulturmarketing und Social Media gegenseitig und beide Seiten können voneinander profitieren. Die Möglichkeiten sind noch lang nicht ausgeschöpft. Mit den richtigen Ideen und ausreichend Wissen über die Materie kann man sich ganz neue Geschäftszweige erschließen.

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Onlinemarketing.de hat einen ziemlich idealtypischen Fall von falscher Zielgruppenansprache verbloggt. Getroffen hat es das amerikanische Unternehmen Starbucks. Auslöser war der folgende, harmlos klingende Tweet, der eine eigentlich ganz nette Social Media Marketing-Aktion starten sollte:

Kurz darauf wurden sie wild beschimpft, ein sogenannter Shitstorm entlud sich. Aber wieso?

Man beachte, von welchem Starbucks-Twitteraccount der Tweet gesendet wurde: @StarbucksIE ist der Twitteraccount für Irland. Die Iren mögen es offenbar nicht besonders, wenn man sie fragt, warum sie stolz darauf sind, Briten zu sein. Was angesichts ihrer etwas schwierigen Geschichte niemanden verwundern dürfte. Eigentlich weiß man das sicherlich auch bei Starbucks. Dementsprechend fiel dann auch die Entschuldigung aus:

Man habe versehentlich von dem Account für Irland gepostet, eigentlich wäre der Tweet nur für Nutzer in Großbritannien gedacht gewesen. Eine eher schwache Entschuldigung, aber offenbar hat man dabei den richtigen Ton getroffen, denn die Kritik ließ danach rapide nach.

Was lässt sich aus diesem „Fail“ (aus dem Englischen, im Internet umgangssprachlich für einen schweren, vermeidbaren Fehler verwendet) lernen?

Zuerst: Es ist wichtig, sich stets bewusst zu machen, welche Zielgruppe man anspricht. In Großbritannien kam derselbe Tweet gut an. Hätte Starbucks die irischen Fans gefragt, warum sie stolz auf Irland sind, wäre der Tweet sicher ebenfalls gut angenommen wurden.

Das lässt sich auch auf die eigenen Aktionen im Social Web oder Newslettermarketing übertragen: Die Ansprache macht’s! Ist die Zielgruppe eher jung, sollte ich, den Internetgepflogenheiten folgend, lieber ein persönliches „Du“ zur Ansprache wählen, als ein förmliches „Sie“. Weiß ich, dass ein Newsletter eine eher gesetzte Kundschaft erreicht, wähle ich vielleicht das „Sie“, weil es möglicherweise als höflicher empfunden wird. Hier kommt es auf Zielgruppenanalyse, Erfahrung und etwas Fingerspitzengefühl an. Mit ein bisschen Experimentieren kann jedes Unternehmen den richtigen Ton für seine Fans finden.

Sehr hilfreich ist hierbei direktes Feedback. Auch aus Meckereien lassen sich Lehren ziehen. Man sollte seinen Fans zuhören, auch wenn sie kritisch sind. Immerhin will man zufriedene Fans und der erste Schritt dorthin ist es, sie ernst zu nehmen und zu respektieren. Das bedeutet auch, dass man negatives Feedback nicht löscht, ein allgemeines No-Go im Netz, bei dem fast reflexartig der Vorwurf der „Zensur“ aufkommt. Stattdessen sollte man auf die Kritik eingehen.

Das Social Web ist schnelllebig. Es dauerte knapp vier Stunden bis zur Entschuldigung durch Starbucks. Diese Zeit reichte, um zumindest in Irland, in den Augen vieler Menschen einen Imageverlust zu erleiden. Nach der Entschuldigung beruhigte sich die Situation sehr schnell wieder. Ein gedankenlos abgesetzter Tweet ließ die Situation also eskalieren, eine wohlformulierte Entschuldigung entspannte sie wieder. Alles innerhalb von wenigen Stunden. Hier lässt sich gut erkennen, warum Social Media nichts ist, was man mal eben nebenbei machen sollte. Sehr wahrscheinlich hätte Starbucks die Situation noch schneller entspannen können, wenn sie noch schneller reagiert hätten. Vielleicht wäre der Fehler nie passiert, wenn nicht derselbe Mitarbeiter anscheinend den Account für Großbritannien und Irland mit Inhalten füllen würde. Das Social Web bietet viele Chancen. Sie sollten sorgfältig geplant und von konzentrierten und motivierten Mitarbeitern bestmöglich umgesetzt werden.

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Nicht wirklich überraschend, aber endlich mal schwarz auf weiß und wissenschaftlich fundiert: Laut einer Studie des Web Excellence Forums (WebXF), an der mehr als 3.600 Kommunikations-verantwortliche internationaler Großunternehmen teilnahmen, wirkt sich Facebook positiv auf das Markenimage aus. Zwar wirken sich Unternehmenswebseiten nochmals um ein Drittel stärker und vor allem differenzierter aus, aber der Einfluss von Facebook sollte nicht unterschätzt werden.

Umso bedeutender ist es, dass immer noch viele Unternehmen nicht recht mit Facebook und dem Social Web generell, umzugehen wissen. Hier werden wichtige Chancen vergeben, sich als Unternehmen (oder Kulturschaffender/Veranstalter) ins rechte Licht zu rücken.

Die Studie wurde vom WebXF zusammen mit Kommunikationswissenschaftlern der Universitäten Leipzig, St. Gallen und der Freien Universität Berlin entwickelt und ermöglicht erstmals detaillierte vergleichende Aussagen zur Wirkung von Fanpages und Webseiten.

Das Web Excellence Forum entwickelt seit 2004 gemeinschaftlich Standards zur vergleichenden Bewertung digitaler Kommunikation.

Kulturkurier Inside Facebook


Die WebXF Fanpage Impact Studie im Detail

Befragt wurden 3.638 Probanden ,internetrepräsentativ und geschlechtsquotiert. Unter kontrollierten Bedingungen wurden den Teilnehmern entweder die Fanpage auf Facebook oder Unternehmenswebseite von acht Unternehmen vorgestellt. Im Anschluss sollte jeder Proband das Image des Unternehmens bewerten, zusätzlich noch das eines Unternehmens, von dem er keinen Onlineauftritt gesehen hatte. Ergebnis: Hatte ein Proband die Fanpage aufgerufen, bewertete er ein Unternehmen im Schnitt 10 % positiver. Bei Unternehmenswebseiten bewerteten die Teilnehmer im Schnitt sogar um 15 % besser.

Hier gibt es die vollständige Pressemitteilung.

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Crowdfunding ist in aller Munde. Soeben ist mit „Iron Sky“ ein Film angelaufen, der zu einem bedeutenden Teil (fast einer Million) durch Crowdfunding finanziert wurde. Von Filmen, Dokumentationen, Spielen, Comics, bis zu technischen Gadgets und sogar dem sozialen Netzwerk Diaspora- Crowdfunding scheint für fast jede Finanzierung geeignet zu sein. Crowdfunding-Dienste schießen wie Pilze aus den Boden. Über die wohl bekannteste Crowdfunding-Plattform, Kickstarter, wurden 2011 über 100 Mio. $ von über 1 Million Spendern für Projekte gesammelt. Den deutschen Dienst Startnext haben wir bereits ausführlich vorgestellt. Aber was ist dieses Crowdfunding eigentlich und wie, falls überhaupt, kann es von Kulturschaffenden sinnvoll genutzt werden?

Crowdfunding ist, sehr einfach ausgedrückt, die (Teil-)Finanzierung eines Projektes mithilfe vieler anderer, wobei jeder nur einen Bruchteil des benötigten Betrages beitragen muss. Im Austausch gibt es meistens kleinere Privilegien/Vergünstigungen, oft gestaffelt nach der Höhe der Zuwendung. Crowdfunding baut auf die Vernetzung des Web 2.0 beziehungsweise des Social Webs, um eine neue Art der Finanzierung über Kleinstbeträge zu ermöglichen. Jemand stellt sein Projekt auf einer Crowdfunding-Seite vor und wenn es genug Menschen gefällt und genug Geld zusammen kommt, wird es umgesetzt. Statt professioneller Sponsoren und Geldgeber kommuniziert man hier auf Augenhöhe mit potentiellen Kunden. Das bietet neue Chancen, zum Beispiel Feedback bereits in einer frühen Planungsphase, bringt aber auch neue Risiken mit sich.

So wird längst nicht jedes Projekt auch umgesetzt. Kommt die vorher als benötigt angegebene Summe nicht zusammen, wird gar nichts ausgezahlt! Jeder Unterstützer bekommt sein Geld zurück, Kosten entstehen keine, allerdings muss bedacht werden, dass Zusatzkosten für Werbung oder Giveaways natürlich verschwendet sind, wenn das Projekt nicht umgesetzt wird. Man muss also vorher sehr genau planen, wieviel Geld benötigt wird und wieviel voraussichtlich aufgebracht werden kann. Letzlich gibt es aber keine Sicherheit, dass das Projekt genug Zuspruch und finanzielle Mittel erhält. Bei Kickstarter wurde etwa für annähernd 30.000 Projekte um Geld gebeten, bei ungefähr einem Drittel kam genug Geld zusammen, um die Idee tatsächlich umzusetzen. Einen Teil des Geldes behalten die Crowdfunding-Dienstleister für sich, hier sollte man sich vorher genau informieren, um später nicht unangenehm überrascht zu sein. Außerdem ist es noch deutlich leichter, Förderung für Projekte zu erhalten, die sich an eine netzaffine Zielgruppe wenden. Das kann sich allerdings ändern, wenn Crowdfunding sich mehr und mehr, auch offline, durchsetzt. Öffentlichkeit ist enorm wichtig. Crowdfunding baut darauf, viele Menschen zu begeistern, damit das Konzept aufgeht. Wer also ungern die (Online-)Werbetrommel rührt und gut vernetzt und kommunikativ ist, sollte von Crowdfunding momentan eher absehen.

Die Auswirkungen von Crowdfunding auf die Kulturfinanzierung sind noch schwer absehbar. Viele Befürworter der Idee sehen darin die Zukunft, eine Demokratisierung der Kulturförderung. Kritiker sehen hingegen das genaue Gegenteil kommen: Eine totale Ausrichtung der Kultur nach privatwirtschaftlichen Gesichtspunkten und damit der Verlust von Unabhängigkeit sowie Mitbestimmung, auch über öffentliche Projekte, nur noch via Bezahlung. Welche Seite letzlich Recht behalten wird, lässt sich gegenwärtig noch nicht absehen, sehr wahrscheinlich werden die Auswirkungen sich in der Realität aber zwischen diesen beiden extremen Polen einpendeln. Wer sich vorher richtig informiert (oder jemanden beauftragt, der die nötige Expertise mitbringt), wird Crowdfunding langfristig wahrscheinlich als weiteren Weg, Kultur zu finanzieren, zu schätzen lernen.

Deutschsprachige Plattformen: MySherpas, Startnext, Visionbakery, Inkubato, Pling, Querk, Wemakeit

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